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Der Phänologische Kalender

Der Phänologische Kalender
© Bibokoe 2014

Das Gartenjahr

Im Alltag wird immer nur von den vier Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter gesprochen. Nach dem Stand der Gestirne wird die entsprechende Jahreszeit bestimmt und so ist am 21. Dezember der kürzeste Tag und damit Winteranfang. Am 21. Juni ist dann der längste Tag des Jahres und damit Sommeranfang. Dazwischen liegen, am 21. März und 23. September, die Tag- und Nachtgleichen und es beginnt das Frühjahr und der Herbst. Meteorologen machen es sich dann noch einfacher und beginnen mit dem Frühjahr am 1. März und wechseln alle 3 Monate die Jahreszeit, woraus folgert, dass der Sommer am 1. Juni, der Herbst am 1. September und der Winter am 1. Dezember beginnt.

Doch leider ist diese Einteilung sehr variabel, wenn man die Entwicklung des Klimas und der Wettererscheinungen speziell als Gartenbesitzer oder Naturfreund betrachtet. Kein Jahr gleicht im Verlauf dem anderen, das Wetter lässt sich nicht so ohne weiteres vorhersagen.

Und die Natur will sich einfach nicht an den meteorologischen Kalender halten. Oft weht zum kalendarischen Frühlingsbeginn noch ein rauer Wind, in anderen Jahre fällt sogar Schnee. Die Tätigkeiten im Garten müssen mit den realen Verhältnissen im Einklang gebracht werden. Eine Möglichkeit ist der phänologische Kalender.

"Die Phänologie (altgr.φαίνωphaíno „ich erscheine“ und -logie) befasst sich mit den im Jahresablauf periodisch wiederkehrenden Entwicklungserscheinungen in der Natur und die Phänometrie mit der Erfassung dieser Erscheinungen." (Quelle: Wikipedia)

Aus dieser Betrachtungsweise heraus ergeben sich 10 Jahreszeiten:

Vorfrühling, Erstfrühling, Vollfrühling, Frühsommer, Hochsommer, Spätsommer, Frühherbst, Vollherbst, Spätherbst und Winter.

 

Woran erkennt man denn, in welcher phänologischen Jahreszeit wir uns befinden?

 

Für jede der 10 Jahreszeiten gibt es bestimmte Zeigerpflanzen bzw. Leitpflanzen, die den Beginn der jeweiligen Jahreszeiten anzeigen.

 

"Vorfrühling: Beginn mit Blüte von Hasel, Märzenbecher und Schneeglöckchen, Ende mit Blüte der Salweide.

Erstfrühling: Beginn mit Blüte der Forsythie sowie von Beerensträuchern wie der Stachelbeere und Obstbäumen wie Kirsche, Pflaume und Birne, von Schlehe und Ahorn; Laubentfaltung von Birke und Buche.

Vollfrühling: Blüte von Apfel, Flieder und Rosskastanie; Laubentfaltung von Eiche und Hainbuche.

Frühsommer: Blüte von Holunder, Roggen, Robinie sowie Blütehöhepunkt der Wiesen und Getreidefelder; am Ende des Frühsommers erste Heumahd.

Hochsommer: Lindenblüte und Reife von Johannisbeere und Winterroggen.

Spätsommer: Heideblüte, Reife früher Obstsorten und der Eberesche, Getreideernte und zweite Heumahd.

Frühherbst: Herbstzeitlosenblüte, Reife von Holunder und Rosskastanie, Höhepunkt der Obsternte.

Vollherbst: Kartoffelernte und allgemeine Laubverfärbung.

Spätherbst: Zeit des allgemeinen Laubfalls und Abschluss der Vegetationszeit.

Winter: Periode zwischen Ende der Vegetationszeit und Haselblüte. Winterbeginn mit dem Auflaufen des Winterweizens."

(Quelle: Nabu Berlin)

 

Welche Erkenntnisse lassen sich daraus ziehen?

 

Unter Verwendung des Phänologischen Kalender ist eine feinere Einteilung der anstehenden Gartenarbeiten parallel zu den 10 Jahreszeiten möglich. Insbesondere dann, wenn Vergleiche zu den Vorjahren ausgenutzt werden. 

"Das Eintreten der phänologischen Jahreszeiten ist lokal deutlich unterschiedlich und differiert auch in den verschiedenen Jahren. Schon deshalb decken sie sich nicht mit den an fixe Anfangs- und Enddaten gebundenen astronomischen und meteorologischen Jahreszeiten. In der Landwirtschaft sind es aber gerade die phänologischen Jahreszeiten, die dem Bauern helfen, zu beurteilen, welche Arbeiten für seinen Landstrich anfallen.

Für einige Ereignisse (z. B. Apfelblüte) gibt es weit zurückreichende Beobachtungen, aus denen Rückschlüsse über die Entwicklung des Klimas im 2. Jahrtausend gezogen werden können. Für das 20. Jahrhundert lässt sich feststellen, dass die Frühlingsphasen immer früher eintreten, was sich nach derzeitigem Wissensstand auf Einflüsse des globalen Klimawandels zurückführen lässt." (Quelle: Wikipedia)

Zu den einzelnen anstehenden Gartenarbeiten in den 10 Jahreszeiten werden im Laufe des Jahres 2015  hier im Blog weitere Artikel veröffentlicht werden. Es lohnt sich also, immer wieder mal reinzuschauen. Unter Verwendung eines Gartentagebuches oder persönlichen Eintragungen in einem Gartenkalender lassen sich Rückschlüsse ziehen und in den folgenden Jahren immer wieder Vergleiche zu früheren Jahren angestellt werden.

 

Wie kann die Bestimmung der Jahreszeit durchgeführt werden?

 

Auf den Seiten des Deutschen Wetterdienst gibt es eine Anleitung, welche Pflanzen beobachtet werden. Am Beispiel der Stachelbeere wird erläutert, wie die Beobachtung durchzuführen ist. 

Wenn Interesse besteht, kann man sich dort auch selber als Beobachter anmelden und an der Betrachtung der jahreszeitlichen Veränderungen teil nehmen.

Will man eigene Betrachtungen in der näheren Umgebung (1,2 bis 2 km im Radius um den Standort) anstellen, müssen die Standorte der jeweiligen Zeiger- und Leitpflanzen in der näheren Umgebung (offenes flaches Gelände) fest gestellt werden. Frostlöcher, enge Täler, Süd- oder Nordhänge sind zu meiden. Im Jahresverlauf wird dann beobachtet, wann die Pflanze ein bestimmtes Stadium erreicht hat.

Auf den Seiten des Deutschen Wetterdienstes finden sich hier genaue Erkennungsmerkmale für die Zustände der Zeiger- und Leitpflanzen.

 

"Phänologische Beobachtungen - wesentliche Punkte der Beobachtungsrichtlinien

 

  • Beobachtet werden soll während der gesamten Vegetationsperiode und Jahr für Jahr an einem Objekt (Baum, Strauch) bzw. einem Standort (krautige Pflanzen z.B. Schneeglöckchen, Beifuss). Landwirtschaftliche Kulturen werden von der Bestellung bis zur Ernte an demselben Schlag/Feld beobachtet.
  • Der Beginn des Austriebs, Maitriebs, der Blatt- und Nadelentfaltung, Blüte und der Phase „Erste reife Früchte“ gilt als eingetreten, wenn an mindestens 3 Stellen des Beobachtungsobjektes die Phase eingetreten ist. Diese Regelung gilt sowohl für die Wildpflanzen, Forst- und Ziergehölze als auch für Obst. Ausnahmen beachten: z.B. Eberesche, Schwarzer Holunder, Weinreben, Krautige Pflanzen
  • Die Blüte wird nach der Entwicklung der männlichen Blütenorgane, der Staubblätter, beurteilt. Bei vielen Blühphasen ist die Abgabe von Pollen ein entscheidendes Kriterium. Von der zweihäusigen Sal-Weide wird nur der männliche Strauch zur Beobachtung herangezogen (s. Seite 67 Anleitung).
  • Es sollen keine Pflanzen beobachtet werden, die sich noch im Jugendstadium befinden. Die Beobachtungsobjekte sollen blühen und fruchten, auch wenn Blüte und Fruchtreife nicht im Beobachtungsprogramm sind.
  • Bei den landwirtschaftlichen Kulturen ist der Beginn einer Phase dann erreicht, wenn etwa 50 % der Pflanzen des Beobachtungsfeldes das entsprechende Entwicklungsstadium erreicht haben. Ausnahmen (s. Seite 95 Anleitung): Beginn des Ergrünens, Beginn des Heu- und Silageschnitts, Beginn des Auflaufens, Beginn der Blüte.
  • Ungeeignet für die Beobachtungen sind Pflanzen, die an Hauswänden sowie in engen, von Gebäuden umstandenen Hausgärten stehen.
  • Landwirtschaftliche Kulturen, die unter Folie angebaut oder künstlich beregnet werden, sind nicht für phänologische Beobachtungen geeignet.

Beregnetes Obst bzw. beregnete wildwachsende Pflanzen sind nicht ausdrücklich von der Beobachtung ausgenommen, weil die Auswirkungen nicht so gravierend sind. Trotzdem: besser keine beregneten Pflanzen beobachten! "

(Quelle: Deutscher Wetterdienst)

 

Viel Freude bei den eigenen Beobachtungen!

 

Weiterführende Informationen/Quellen:

 

Deutscher Wetterdienst - Phänologie allgemein
Deutscher Wetterdienst - Zeigerpflanzen erkennen
Der phänologische Kalender – die Jahreszeitenuhr der Natur.PDF (BDG)
Phänologie (Wikipedia)
 
Google-Bilder: phänologischer Kalender
 

 

 
 

 

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